Zu diesem Thema gibt es meines Wissens keine tiefgreifende verläßliche Ermittlung, die für Deutschland Allgemeingültigkeit beanspruchen könnte. Auch ich kann nur aus jahrzehntelanger Erfahrung sprechen, will aber etwas ausholen.
Dazu stelle ich zunächst die gesellschaftspolitische Parteienlandschaft dar, um anschließend etwas zur Korrelation mit dem christlichen Glauben (Auferstehung, Sündenvergebung, ewiges Leben) zu sagen, also mehr im Hinblick auf das apostolische Glaubensbekenntnis (tiefe speziell christliche Gläubigkeit) als auf das bei vielen Weltanschauungen anzutreffende Gutmenschentum (Hifsbereitschaft u.ä.).
In der gesellschaftspolitischen Einstellung der gegenwärtigen Bundestagsparteien und einiger noch vor wenigen Jahren interessanter Splitterparteien Piraten, Republikaner und der globalistischeren Version der AfD im Europaparlament (der Liberal-Konservativen Reformer = LKR) sehe ich verschiedene Positionierungen sowohl auf der Kollektivierungsskala von extrem kollektivistisch (Linke) bis stark individualistisch (LKR und Piraten) wie auch auf der Skala der räumlichen Ausdehnung des Gemeinschaftsgefühls von extrem patriotisch (NPD) bis extrem globalistisch (Grüne und Piraten). Da nicht nur zu Adenauers Zeiten sondern auch heute die CDU sich in relativ hohem Maße ihrer Leitung untertan zeigt („Kanzlerwahlverein“), ist z.Zt. Merkel als ihr Name aussagekräftiger als der Buchstabe D oder U.
Als Abstufungen für die Vergleichbarkeit in einer Liste wähle ich „ein wenig“ „(ohne Beiwort)“ „stark“ „extrem“.
Gemäß umfangreichen Informationen aus Medien und Gesprächen mit Parteimitgliedern ergibt sich für mich folgende Liste der Parteiencharakterisierung
Abkürzung | Partei | Merkmale |
---|---|---|
C | CSU | Koservativ |
A | AfD | individualistisch und patriotisch |
E | LKR | stark individualistisch und globalistisch |
F | FDP | individualistisch und globalistisch |
G | Grüne | kollektivistisch und extrem globalistisch |
L | Linke | extrem kollektivistisch und stark globalistisch |
M | Merkel | ein wenig kollektivistisch und globalistisch |
N | NPD | stark kollektivistisch und extrem patriotisch |
P | Piraten | stark individualistisch und extrem globalistisch |
R | Rep | ein wenig kollektivistisch und stark patriotisch |
S | SPD | kollektivistisch und stark globalistisch |
Um diese Liste – insbesondere für geometrisch orientierte Leser – übersichtlicher zu gestalten, habe ich sie noch in ein rotes Koordinatensystem lokalisiert.
Die Skala Kollektivismus bis Individualismus stelle ich als waagerechte Achse, die Skala Patriotismus bis Globalismus als senkrechte Achse dar. Wo sich die Achsen kreuzen (grüner Bereich), will diese deutsche Partei keine Veränderung der gegenwärtigen Verhältnisse, d.h. sie ist konservativ. Wo man am weitesten davon entfernt ist (rosa Randzone), wird am extremsten die Änderung der Verhältnisse angestrebt; hier befinden sich also extreme Parteien.
Aus der Grafik ist zu entnehmen, daß das deutsche Parteienspektrum mehr zum Linksextremismus als zum Rechtsextremismus neigt und sich die zwei gegenwärtig größeren Parteien, oft als GroKo (große Koalition), im Globalismus wohler fühlen als im Patriotismus. Der Zeitgeist liegt bei M+S+G (Merkel, SPD und Grünen). Solange es nur die Altparteien gab, hat mancher, der mit ihnen unzufrieden war, L (Linke) gewählt. Seit wenigen Jahren hat er mehr Auswahl, denn A (AfD) und E (LKR) sind seriöser als N, R und P (NPD, Republikaner und Piraten).
Da christlicher Glaube ein Wertesystem mit Beständigkeitscharakter ist und Anpassungen an den Zeitgeist nur in geringem Maße verträgt, nimmt es nicht Wunder, daß die CSU sowohl vom Anteil Christlich-Gläubiger wie auch vom Anteil besonders Konservativer die Spitzenposition einnimmt. Wen das überrascht, der möge sich mit vielen CSU-Wählern in Richtung Glauben („glaubst du das wirklich?“) unterhalten und das Ergebnis mit eigener Befragung anderer Wähler vergleichen.
Meine Lebenserfahrung sagt mir auch, daß Grüne und Linke in aller Regel glaubensfern sind, was bei ihren extremen Änderungsbemühungen auch zu erwarten ist. Mit dem Sonntagsgottesdienst und der Heiligung des Feiertages scheinen sie mir fast immer nichts zu tun haben zu wollen und zu einer (gewißheitlichen) Hoffnung (Farbe: grün) auf Leben nach dem Tod nicht so ohne weiteres fähig; sie sind eher fanatisch im „Bessern“ irdischer Verhältnisse und weltfremd optimistisch (Farbe: rosarot), das Paradies auf Erden eines Tages schaffen zu können.
In NPD,Linke,Grünen und Piraten scheint es mir fast keine echten Christen (Gläubigen) zu geben, bei Republikanern, Sozialdemokraten und Lucke-Leuten (LKR) etwas mehr Gläubige, in Merkels Partei, FDP und AfD beachtlich mehr und in der CSU am meisten, sicherlich aber auch hier weniger als die Hälfte (echt) Gläubige.
Sieht man sich die Wahlen von Parteipolitikern und evangelischen Kirchenfürsten/Bischöfen an, so ist ein Überwiegen der kollektiv-globalen (linken) Einstellungen über die patriotisch-individualistischen (rechten) unübersehbar. Wenn ich mich danach frage, was eine nicht nur von herrschenden Medien beeinflußte Wählerschaft, sondern eine rechts/links gleich mächtig beeinflußte wählen würde, so komme ich auf etwa gleiche Stärke des linken und des rechten Lagers bei den Parteien. Kirchlich würde infolge der Austritte wohl auch dann noch ein erhebliches Überwiegen von linken Einstellungen feststellbar sein.
Was fehlt in dem bisher Gesagten?
Mancher dürfte hier Begriffe wie „sozialistisch“ (statt extrem kollektivistisch; fast keine Gläubige), „weltoffen“ (statt globalistisch; wenige Gläubige), „liberal“ (statt individualistisch; mehr als wenige Gläubige), „bürgerlich“ (statt ein wenig individualistisch und ein wenig patriotisch; mehr als wenige, evtl. viele Gläubige) und „nationalistisch“ (statt extrem patriotisch; fast keine Gläubige) vermissen; doch werden diese üblicherweise verwendeten Begriffe durch die vier in der Liste verwendeten Eigenschaften etwas vereinfachend erfaßt, wie die erläuternden Klammern in diesem Satz zeigen.
Es fehlt auch nicht ganz die „Nächstenliebe“. Wie das Wort sagt, handelt es sich um räumlich sehr Nahes, was mehr der patriotischen als der globalen Orientierung verwandt ist. Ganz versagt die vorgestellte zweidimensionale Darstellung beim „Umweltschutz“. Aber für beide Begriffe scheint mir eine Ausweitung der Überblicke erforderlich.
Oberursel, 22. Juni 2018
Dr. Georg Friedrich Dierschke